Niederdeutsches Hallenhaus
Das Baujahr des historischen Hauses wird auf ca. 1635 zur Zeit des dreißigjährigen Krieges beziffert, es wurde 1747 und 1779 umgebaut bzw. erweitert.
Bei den Irrfahrten denken manche wahrscheinlich zuerst an Homer und Odysseus. Aber weder noch.
Im Folgenden geht es um ein 380 Jahre altes „Niederdeutsches Hallenhaus“, ein Kleinbauernhaus in Zweiständerbauweise aus Hagen-Börsten, Lkrs. Cuxhaven, das seltsame Wege gehen musste, um nach genau 20 Jahren Einlagerung nach Abbau aus seinem Dornröschenschlaf wach geküsst zu werden. Der Prinz, der Verein „Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf e. V.“, nutzte die Gunst der Stunde.

(1) 1993:
Das Kleinbauernhaus 9,10 m in der Breite und 21,00 m in der Länge wurde von Hausforschern der „Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB)“ im Juli 1993 unter Mithilfe zahlreicher Freunde sorgfältig dokumentiert, auseinander genommen und alle wieder verwendbaren Teile geborgen und eingelagert.
(2) 1995:
Im Spätsommer 1995 hat die Gemeinde Hagen das zerlegte Kleinbauernhaus von den Hausforschern zurück erworben, mit dem Ziel, es als Dorfgemeinschaftshaus wieder aufzubauen.
(3) 1997:
Die Gemeinde Hagen stellte für den Wiederaufbau des Kleinbauernhauses einen Förderantrag in gestelliger Höhe. Der Zuwendungsbescheid wurde vom Amt für Agrarstruktur BREMERHAVEN im Dezember 1997 stattgegeben.
(4) 1997:
Aufgrund eines sehr umstrittenen Gemeinderatsbeschlusses hat die Gemeinde Hagen nach dem Zuwendungsbescheid vom Projekt Abstand genommen. 1997 bis 2003 wurde das zerlegte Kleinbauernhaus in Teilen in Hagen und Hesedorf eingelagert.
(5) 2002:
Aufgrund einer Anzeige im Holzmagazin der „Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V.“, Heft 6 · Nov./Dez. 2002, wurde der Verein „Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf e. V.“ aufmerksam auf dieses Haus.
(6) 2003:
Im März 2003 erwarb der Verein das zerlegte Kleinbauernhaus von der Gemeinde Hagen.
(7) März 2003 bis Sept. 2004:
In Bliedersdorf im Unterstand einer Halle eingelagert. Ende September 2004 musste der Verein den Unterstand räumen.
(8) Okt. 2004 bis Sept. 2009:
Wurde das zerlegte Kleinbauernhaus in der Kreis-Straßenmeisterei Bliedersdorf eingelagert. Der Einlagerungsvertrag wurde wegen Eigennutzung gekündigt.
(9) Okt. 2009 bis Mitte Okt. 2010:
War das Haus im Freien unter einer Plane der Zimmerei Heins, Nottensdorf eingelagert.
(10) Okt. 2010 bis April 2012:
Wurde an der Restauration des Kleinbauernhauses in der Zimmereihalle Heins, Nottensdorf gearbeitet. Ca. 1.300 gemeinnützige Arbeitsstunden wurden während dieser Zeit vom Verein und unter Mithilfe von Jugendlichen der Jugendbauhütte geleistet und ca. € 130.000,00 in das Projekt investiert.
Die 9,10 m breiten Vorder- und Hintergiebel, die beiden 21,00 m langen Fachwerkseitenwände sind fertig gestellt. Restauriert sind auch Ständer und Deckenbalken, Kleinteile wie die Herdwand. Angepasst wurden auch die Eichensparren für den Dachstuhl sowie 170 schlanke Tannen bis zu 13 m Länge wurden aus dem Wald geschlagen und geschält. Die Rundhölzer werden beim Wiederaufbau auf die Sparren genagelt und darauf das Reet genäht.
(11) Im Sept. 2012 beschließen die Mitglieder auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung endgültig den Wiederaufbau des „Hallenhauses“.
(12) Am 18. Febr. 2013 beschließt der Rat der Gemeinde Bliedersdorf den Bebauungsplan Nr. 8 A „SO – Bäuerliches Hauswesen“.
(13) Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung am 16. März 2013 wurden den Mitgliedern der derzeitige Planungsstand „Hallenhaus“ mitgeteilt.
(14) Mitte 2013 – Fertigstellung des Wiederaufbaus
Wie einst Odysseus widerstand das Haus auf seinen Irrfahrten den betörenden Gesängen der Sirenen.





















